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Als vor ein paar Jahren die Trilogie „50 Shades of Grey“ von E.L. James auf dem Büchermarkt erschien, dachte der eine oder andere noch, dass die Autorin vielleicht einen neuen Trend mit Fesselspielen ausgelöst hätte – dabei reicht die Geschichte dessen, was wir heute als BDSM bezeichnen  tatsächlich tausende von Jahren zurück. Wahrscheinlich haben sich also schon immer Menschen lustvoll versohlt, Schmerzen genossen und erotischen Rollenspielen gefrönt. Immer wieder waren derlei Vorlieben aber gesellschaftlich – und noch viel schlimmer, da wirksamer, von kirchlicher Seite – verpönt, wenn nicht sogar strafbar.

Wie haben für Euch ein paar Fakten über BDSM zusammengesucht, die manche bestimmt überraschen werden:

  • BDSM steht für Bondage & Dicipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism
    • Bondage, also Fesselung, kann, aber muss kein Bestandteil von BDSM sein. Umfragen zufolge soll aber etwa die Hälfte aller sexuell aktiven Amerikaner auf Fesselspielchen stehen.
    • Dicipline meint die Disziplinierung des BDSM-Partners, beispielsweise mit einem Flogger.
    • Dominance steht für die Dominanz, also Herrschaft, eines Partners. Submission ist die Unterordnung des anderen Partners, die sich mitunter durch Intimschmuck und dergleichen ausleben lässt, wie Fans von „50 Shades of Grey“ natürlich wissen.
    • Sadism heißt übersetzt Sadismus und gilt für alle Schmerzen, die jemand zum eigenen Lustgewinn einer anderen Person zufügt. Masochism, Masochismus, zeigt jemand, der die Schmerzen, die ihm ein anderer zufügt, genießt.
  • Die ältesten, überlieferten BDSM-Praktiken stammen aus dem 9. Jhd. V. Chr. und – wen wundert’s – aus dem antiken Griechenland. Es handelte sich dabei um rituelle Auspeitschungen.
  • Die älteste Darstellung von BDSM ist über 2600 Jahre alt. Sie zeigt einen Dreier, bei dem einer der beiden teilnehmenden Männer eine Peitsche über dem Hintern der Frau schwingt, die er gerade von hinten nimmt, während sie seinen Kumpel oral verwöhnt.
  • Erste Erzählungen über Menschen, die sich zur Steigerung ihrer sexuellen Lust oder auch anstelle von Sex fesseln und auspeitschen ließen, datieren aus dem dritten und vierten Jhd. vor unserer Zeitrechnung.
  • Wer kennt nicht das Kamasutra? Der Goldstandard aller verrenkungsfreudigen Sexaktivisten stammt aus dem zweiten oder dritten Jhd. und beinhaltet vier verschiedene Schlagtechniken sowie den Hinweis, dass nicht alle Kratzen, Beißen und Schlagen gleichermaßen schön finden.
  • Im 18. Jhd. soll es Bordelle gegeben haben, die sich aufs Auspeitschen spezialisiert haben.
  • In der Regel lehnen BDSM’ler die Verquickung „ihres“ Sadismus’ mit dem Marquis de Sade ab, da er bei seinen Machenschaften das oberste Gebot aller BDSM-Arten missachtete: Alles, was beim BDSM passiert, geschieht auf freiwilliger Basis und unter Menschen, die einvernehmlich handeln und sich beide im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte befinden.
  • Erst seit 1994 gilt die Vorliebe für BDSM-Praktiken nicht mehr als eine Störung der sexuellen Präferenz.
  • Achtung Urlauber: In der Schweiz sind BDSM-Praktiken teilweise strafbar und auch in Österreich wird manches mitunter als sittenwidrig ausgelegt. In England könnte es problematisch werden, da das dortige Gesetzbuch die Einwilligung zur Körperverletzung nicht kennt und akzeptiert. Deutschland, Skandinavien, Japan und die Niederlande hingegen sind sicheres Terrein.
  • 1967 wurde BDSM das erst Mal in einem Song besungen – jedenfalls enthält „Venus in Furs“ von The Velvet Underground zahlreiche Anspielungen. Und übrigens haben auch deutsche Bands wie z.B. die Ärzte mit „Sweet Sweet Gwendoline“ und Rammstein mit „Bestrafe mich“ ihren Beitrag zur BDSM-Hitparade geleistet.

Wie man sieht, ist die Kombination aus Schmerz und Lust tatsächlich keine Erfindung der Neuzeit. Dass wir sie allerdings – zumindest hierzulande – mittlerweile ausleben können und alles, was wir dazu brauchen per Klick nach Hause bestellen können, ist wieder einmal ein Grund, sich zu freuen, dass wir in einer so aufgeklärten Zeit und in einer offenen Gesellschaft leben.

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