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Leseprobe_akt KopieAls Lia die kleine Holzbank aufsuchte, im Dunkeln unterhalb des Leuchtturms, wartete Bruno bereits auf sie. So, wie es verabredet war. Sie hatten gestern geschwiegen am Strand, jeder in seiner Welt gefangen, und sie fühlten sich doch in der gleichen. Am Morgen, als das Rauschen der Wellen grauer geworden war, hatten sie schließlich ein Treffen vereinbart. Wollten es darauf ankommen lassen. Einmal. Gegen jeden Verstand. Einfach so. Sie kannten sich nicht, aber sie ahnten viel voneinander. Das sollte genügen. So waren sie auseinandergegangen bis zum Abend. Er mit festem Schritt, sie schwebend und mit Wachs auf den Händen.

»Alles in Ordnung?«, fragte Bruno leise und nahm sie vorsichtig in den Arm. »Du bist dir sicher?« Er sah zu ihr herüber, als wolle er die Antwort selbst aus ihr lesen.
»Ja«, sagte Lia und wusste nicht, warum sie es flüsternd tat. Sie sah zu ihm und nickte. Jetzt sollte es sein. Jetzt.
Als Bruno die erste Schlaufe Seil um ihre Handgelenke legte, glaubte Lia zu fallen. Sie atmete überrascht und tief ein. Hörbar. Sank nach vorn. Sichtbar. Zitterte. Fühlbar. Alles gleichzeitig. Weil sie es zum ersten Mal spürte. Mit jemandem, der echt war und keine lebenslange Fantasie. Plötzlich erlebte sie es nicht nur in ihren Gedanken, sondern auf und unter der Haut. Sie wusste, dass es ab diesem Augenblick keine Umkehr mehr gab. Nicht für sie, nicht für ihn.

Behutsam führte Bruno das Seil, auf dem sie tanzten, um Lias Haut. Eng. Jeder Zentimeter brachte sie näher zu ihm. Langsam und sorgfältig nahm er sie in Besitz. Legte und ertastete die Windungen um ihre Arme, parallel, akkurat, fest. Als er schließlich die Seilenden zwischen ihren Armen kräftig zusammenzog, war sie ganz bei ihm. Das Geräusch und der Gedanke ließen Lia derart erzittern, dass Bruno innehielt.

Bruno strich ihr über die Schultern. Griff sanft in ihren weichen Nacken. Seine Lieblingsstelle. So verletzlich. Er stellte sich vor, wie es sich anfühlen würde, dort ein Halsband zu schließen. Später. Wenn sie diesen Seiltanz überlebten. In Lias Augen lag stiller Glanz. Das Licht eines ruhigen Sternenhimmels. Die langsam drehenden Lichtkegel des Turms. Und ihr inneres Leuchten. Als warte alles.
»Mach weiter«, flüsterte Lia. »Bitte. Mach weiter.«
Bruno trat näher an sie heran. Spürte ihre Körperwärme. Und ein sanftes Beben, als er ihr die Bluse langsam hob. Leichten Stoff über ihre Haut bewegte. Den zarten Körper freilegte. Das forderte Lia einen Augenblick Beherrschung ab, aber sie beruhigte sich wieder. Ihre Hände brauchten das Seil nicht als Halt. Noch nicht, dachte Bruno still.
Er legte Zeigefinger und Daumen um ihre nackten Brustwarzen und ihre Blicke suchten sich erneut. Begegneten sich irgendwo in der Mitte zwischen ihnen. Duell. Lia hielt Stand. Bruno schloss seine Finger ein wenig und bemerkte, dass Lia den leichten Druck sofort registrierte. Er spürte es. Jede Regung nahm er auf. Witterte ihre Gefühle. Wie ein Wolf seine Beute.

Bruno sah ihr tief in die Augen und öffnete ihre Hose. Ohne Rückfrage. Wozu auch. Sie war nun seine. Zusammen mit dem Slip schob er ohne Zögern den Stoff nach unten.

Er drängte zwischen ihre Schenkel. Mit zwei Fingern teilte er ihr Fleisch. Verharrte nicht lange. Tauchte ein. Kein Widerstand. Ihre Nässe war hörbar. Er tastete sie aus. Hatte das Gefühl, seine ganze Hand in ihr versenken zu können. Welche Lust. Doch er hielt sich ab davon. Riss sich los von diesem Sog. Es wäre der Moment gewesen, in dem er vom Seil abgerutscht wäre, in dem sie beide gestürzt und nie wieder aufgestanden wären. Es musste genügen. Er hatte erfahren, was er wissen wollte. Hatte kontrolliert. Sie. Ihr Körper hatte bestätigt, was er schon wusste.

Lia hob kurz den Kopf. Lächelte. Sie hatte geleuchtet wie ein Stern in der Nacht am Himmel. Dabei war sie so tief auf den Boden gesunken. Vor ihm. Unverglüht.
Es hatte funktioniert. Das wussten sie beide. Sie würden sich wieder sehen. So wieder sehen.

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Foto: Kay Fochtmann / photocase.de

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Kommentare

  1. Liest sich sehr schön & vor allem sehr bildlich …..“ Gänsehaut, Kopfkino ….!“

    | Ina | Antworten
  2. Danke für den Tipp! Der Roman hat zwei Fortsetzungen: „Aufgewühlt“ und „Angefühlt“. Die drei am schönsten geschriebenen SM-Romane, die ich kenne.

    | L. Fischer | Antworten