An diesem Tag, der jährlich am 11.Oktober begangen wird, sind Lesben, Schwule und ganz allgemein „Queers“ wie Transgender ermutigen und ihnen ihr Coming-out erleichtern. Denn viele von ihnen kämpfen mit Mobbing, Gewalt und dem Gefühl, allein zu sein.

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Seinen Ursprung hat der Coming Out Day in den USA. Dort nahmen am 11. Oktober 1987 eine halbe Million Menschen an einer schwul-lesbischen Parade, dem Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights, teil. Bei einem Aktivisten-Treffen vier Monate später musste man erkennen, dass die Reaktionen auf Homosexuelle immer noch negativ behaftet sind und kam so auf die Idee, einen nationalen Aktionstag zu gründen.

1994 erklärte sich dann die Schauspielerin Amanda Bearse dazu bereit, Präsidentin des National Coming Out Day zu werden. Sie war zu dieser Zeit die einzige landesweit bekannte offen lesbisch lebende Schauspielerin. In einem Werbespot für öffentliche Institutionen (public service announcement) trat sie auf mit der Botschaft: „Ich bin keine straight woman (heterosexuelle Frau), aber ich spiele eine im Fernsehen. Und das ist, wo Schauspielerei hingehört – ins Fernsehen oder Kino. Nicht ins reale Leben. Darum habe ich mit dem Schauspielern aufgehört und mich geoutet.“

Ab September 1997 gab es mit Betty DeGeneres, Mutter von Ellen DeGeneres, die erste heterosexuelle Sprecherin. Im HRC Quarterly sagte sie: „Die Tatsache, dass ich eine Mutter bin, die sich für gleiche Rechte für ihre Tochter und ihre Partnerin einsetzt, betont den Punkt, dass die Beendigung der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung nicht nur für schwule und lesbische Menschen wichtig ist, es ist wichtig für ihre Familien und die Menschen, die sie lieben.“

2002 wurde eine CD veröffentlicht, zu der offen lebende LGBT-Musiker und heterosexuelle Bündnispartner Lieder beisteuerten, darunter Cyndi Lauper, Queen, k.d. lang, Jade Esteban Estrada und Sarah McLachlan. Sie alle waren auf einem Werbeplakat zu sehen auf dem stand:

„Du magst dich fühlen, als wärst du nur ein Gesicht in der Menge, aber dich als schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender zu outen, macht aus dir einen Star!“

Im Laufe der Zeit sprangen auch viele andere Länder mit auf den Zug auf. Die Wichtigkeit, das Thema Coming-out in die Öffentlichkeit zu transportieren, war allen gleichermaßen präsent. In Deutschland veranstalten viele kleinere und größere Initiativen eigene Projekte. Der Verein Coming Out Day e.V. möchte auf die Situation von schwulen und lesbischen Jugendlichen aufmerksam machen und den Aktionstag in Deutschland etablieren.

Das Coming Out – noch heute ein harter Weg

In der heutigen Zeit meint man, dass dies kein großes Thema mehr ist und dass der gleichgeschlechtlichen Liebe tolerant und offen gegenüber getreten wird. Die Realität sieht aber leider anders aus. Mobbing und Gewalt in der Schule oder auch im Elternhaus kommen immer noch vor. Statistiken belegen, dass die Suizidrate unter lesbischen und schwulen Jugendlichen vier- bis siebenmal höher ist als unter heterosexuellen, sie leiden öfter an Depressionen, Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten.

Der Prozess des Coming Outs (engl. „coming out of the closet“, wörtlich: „aus dem Kleiderschrank herauskommen“) wird heute in zwei Phasen beschrieben: Im ersten Schritt steht das „Sich-bewusst-Werden“ oder „Sich-Selbst-Eingestehen“ im Vordergrund, also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung, dass man für die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Man spricht in dem Zusammenhang auch von innerem Coming-out. Die zweite Phase bezeichnet das „Sich-Erklären“, also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und Kollegen.

Manche tun dies schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder noch später über ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten werden sich aber zum Zeitpunkt der Pubertät darüber bewusst. Kein einfacher Moment. Viele trauen sich viele nicht, sie offen auszuleben geschweige denn zu kommunizieren. Sie sind auf sich allein gestellt. Häufig fühlen sie sich während dieses Prozesses unsicher, einsam oder auch ausgegrenzt. Besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Beratungsstellen in den größeren Städten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen. Und doch führt das Coming-out oft zu einer echten Lebenskrise.

Mit dem Coming Out Day soll jungen Menschen während dieser Phase ihres Lebens der Rücken gestärkt werden. Man will ihnen Mut machen, zu sich selbst zu stehen und sich anzunehmen. Super, wie wir finden!

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