Nathaniel West tippte an einem großen Schreibtisch aus Mahagoni in seinen Computer. Er blickte weder hoch, noch verlangsamte er den Takt seiner Finger auf der Tastatur. Es war, als stünde ich nicht vor ihm.

Waren es zehn Minuten? Zwanzig? Er tippte noch immer. Ich zählte meine Atemzüge. Der rasende Puls, mit dem ich in den Raum getreten war, verlangsamte sich schließlich.

Dominating beauty in handcuffs

Leseprobe_akt KopieEr rollte in seinem Bürostuhl zurück. Das sanfte Rumpeln auf dem Hartholzboden breitete sich in der absoluten Stille aus. Ich hörte, wie er sich mit gleich langen Schritten durch den Raum bewegte. Schließlich spürte ich ihn hinter mir. Eine Hand hob mein Haar im Nacken an. Ein warmer Atem kitzelte mein Ohr. »Sie haben keinerlei Referenzen.« Nein, hatte ich nicht. Nur eine verrückte Fantasie. Sollte ich es ihm sagen? Nein. Ich musste schweigen. Mein Herz pochte schneller. »Ich möchte Ihnen sagen«, fuhr er fort, »dass ich kein Interesse habe, eine Sub zu schulen. Alle meine bisherigen Subs waren voll ausgebildet.«

Verrückt. Es war einfach verrückt. Aber ich sehnte mich so sehr danach: mich in die Gewalt eines Mannes zu begeben. Aber nicht in die irgendeines Mannes. Sondern in seine. »Sind Sie sich sicher, dass Sie es wollen, Abigail?« Er umfasste mein Haar, schlang es um seine Faust und zog sanft an ihm. »Sie müssen sich sicher sein.« Meine Kehle war ausgetrocknet. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass er meinen Herzschlag hörte, blieb ich reglos stehen. Schmunzelnd kehrte er an seinen Schreibtisch zurück. »Schauen Sie mich an, Abigail.« Ich hatte sein Bild schon gesehen. Nathaniel West, der Inhaber und CEO der West Industries, war jedermann bekannt. Die Fotos wurden dem Mann nicht gerecht. Seine gebräunte Gesichtshaut brachten seine tiefgrünen Augen erst so richtig zur Geltung. Und sein dichtes braunes Haar lud dazu ein, mit Fingern hindurchzufahren – zuzugreifen und ihn an sich zu ziehen, bis seine Lippen die eigenen berührten. Er trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch. Lange, kräftige Finger. Allein beim Gedanken, was sie vermochten, bekam ich weiche Knie.

Als Nathaniel hinter dem Schreibtisch ein kurzes Lächeln andeutete, erinnerte ich mich daran, wo ich war. Und warum. »Es interessiert mich nicht«, sagte er, »warum Sie Ihre Bewerbung eingereicht haben. Wenn ich mich für Sie entscheide und Sie meine Bedingungen erfüllen, ist Ihre Vergangenheit gleichgültig.« Er nahm Papiere zur Hand, die ich als meine Bewerbung wiedererkannte, und überflog sie. »Was ich wissen muss, weiß ich.« Ich erinnerte mich, wie ich die Bewerbung ausgefüllt hatte: die Checkliste, die verlangten Blutuntersuchungen, die Versicherung, dass ich regelmäßig die Pille nahm. Und ich hatte seine Daten zugeschickt bekommen. Ich kannte seine Blutgruppe, die Ergebnisse seiner Untersuchungen, seine Härtegrenzen und was er mit Gespielinnen gerne tat und ihnen antat.

Mehrere Minuten schwiegen wir uns an. »Sie haben keine Schulung«, sagte er. »Aber Sie sind sehr gut.« Schweigend ging er an die große Fensterfront hinter seinem Schreibtisch. Draußen war es vollständig dunkel. Ich sah im Glas sein Spiegelbild. Als sich unsere Blicke trafen, schaute ich zu Boden. »Eigentlich mag ich Sie, Abigail King. Aber ich erinnere mich nicht, dass ich Ihnen gesagt habe, dass Sie wegschauen sollen.« In der Hoffnung, dass ich es nicht endgültig vermasselt hätte, blickte ich wieder auf. »Ja, ich denke, wir könnten am Wochenende einen Versuch wagen.« Er drehte sich vom Fenster weg und lockerte seine Krawatte. »Wenn Sie einverstanden sind, kommen Sie diesen Freitagabend Punkt achtzehn Uhr auf mein Anwesen. Ich lasse Sie mit einem Wagen abholen. Wir essen gemeinsam zu Abend. Dann sehen wir weiter.«

Foto: © Artem Merzlenko – Fotolia.com

Darum geht’s in dem Buch

978395761003.jpgAbby sehnt sich danach, ihr langweiliges Leben als Bibliothekarin hinter sich zu lassen. Als sie den attraktiven und einflussreichen Nathaniel kennenlernt, wird ihr Wunsch scheinbar erhört. Nach einem Wochenende voller Leidenschaft wird ihr schnell klar, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Doch während sie tiefe Gefühle für Nathaniel entwickelt, bleibt dieser außerhalb des Schlafzimmers kalt und distanziert. Als Abby tiefer und tiefer in Nathaniels verlockende Welt von Macht und Leidenschaft eintaucht, fürchtet sie, dass sie sein Herz niemals berühren wird – und dass ihr eigenes bereits verloren ist.

Lange bevor Shades of Grey die Bestseller-Listen eroberte, hat diese Geschichte die Fantasie Millionen Leserinnen gefesselt. Der erste Band dieser erfolgreichen Trilogie liegt jetzt auf Deutsch vor. Tara Sue Me, Ich bin dein – Geheime Sehnsucht, LAGO Verlag.

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