Porna schauen

Gemeinsam mit der frauenfreundlichen Erotik-Produktionsfirma Daring Media Group und Dusk TV hat die Sexologin Kaat Bollen ihren eigenen Porna-Film „A Girls’ Getaway“ produziert. Sie schrieb nicht nur das Skript, sie unterstütze auch den Regisseur am Set. Der Film prämierte auf tintl.eu – dem Streaming-Portal für Erotik und ist ab jetzt auch auf DVD erhältlich. Sexologin Sara Taels hat sich mit ihr unterhalten und gefragt, wie sie die Arbeiten an ihrem Debüt erlebt hat.

Porno oder Porna – wo liegt der Unterschied und was macht einen guten Porno aus?
Porna geht einen schmalen Grad – ästhetisch inszeniert und leicht zugänglich, aber eben auch nicht zu soft. Es gibt sehr viel zu sehen. Die Filme sind frauen- und menschenfreundlich. Das heißt, dass natürlich auch Männer Spaß an Porna haben können. Es geht also nicht nur um harmlose Liebesgeschichten. Sex steht im Mittelpunkt – allerdings wird großer Wert auf Ästhetik und Stil gelegt.

Pornos gelten als Männersache. Wie brechen Sie dieses Tabu und warum ist Pornografie überhaupt interessant für Frauen?
Also mir macht Porno genauso viel Spaß wie Porna (lacht). Was sollte daran schlecht sein? Ich finde es schade, dass vor allem Frauen auf diese Form der Erotik verzichten. Eine Studie von Ellen Laan, einer Professorin für Sexualwissenschaften am AMC Amsterdam hat ergeben, dass Frauen mit körperlicher Erregung auf Erotik-Filme reagieren. Sogar stärker als Männer. Die werden nur von bestimmten Szenen oder Kategorien angesprochen. Frauen reagieren dagegen auch auf das Vorspiel und die Handlung. Dabei ist es wichtig, zu sehen, dass die psychische und die physische Erregung von Frauen nicht immer eins sind. Dass der Körper auf sexuelle Reize reagiert, bedeutet nicht automatisch, dass die Lust auch im Kopf angekommen ist. Bei Männern ist das häufig anders. Durch die Erektion sind sie auch visuell mit ihrer eigenen Erregung konfrontiert. Diese Voraussetzung haben Frauen nunmal nicht.

Was raten Sie Frauen, die Interesse an Porna haben?
Noch bevor der Porna-Film läuft, gilt: Die Lust muss bereits da sein, das ist besonders wichtig. Wer gerade nicht in der Stimmung ist, ist auch nicht offen für Erregung. Sind Sie allerdings bereit, sich mitreißen zu lassen, fesselt Porna durch aufregende Geschichten und erregende Szenen. Der Spannungsbogen bei Porna ist durchaus auch für Männer erregend. Die Szenen sind trotzdem sehr erotisch und explizit.

Wie ist das perfekte Setting für einen Porna-Film? Alleine oder zu zweit?
Ich empfehle Frauen, sich für einen Film wirklich Zeit zu nehmen. Die Kinder sollten in jedem Fall aus dem Haus oder im Bett sein. Statt zwischendurch schnell eine heiße Szene anzuschauen, kann es auch sehr schön sein, sich eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Vielleicht mit einem guten Glas Wein. Wer mag, zündet ein paar Kerzen an und verbringt schon vorher einen schönen Abend mit dem Partner. Für Männer ist Pornografie meist Fast Food. Porna wäre dagegen mit einem Drei-Gänge-Menü vergleichbar.

A Girls Getaway Wie haben Sie die Arbeit an “A Girls’ Getaway” erlebt?
Es war natürlich sehr viel Arbeit. Ich habe das Drehbuch selbst geschrieben und war deshalb auch immer erste Ansprechpartnerin. Die Auswahl der Darsteller, die Stellungen, in denen sie Sex haben, wie sie abspritzen und so weiter. Ich bin es gewöhnt, total offen über Sexualität zu sprechen, aber am Set zu sein und plötzlich Anweisungen zu geben, das war dann doch sehr ungewohnt. Zum Glück hatte ich ein sehr geduldiges und professionelles Team. Ich konnte mich in kürzester Zeit einfügen und habe mich sehr schnell wohlgefühlt.

Was ist Ihr Ziel mit der Porna-Produktion? Wollen Sie etwas Bestimmtes erreichen?
Das Konzept von Porna ist vielen Leuten noch nicht bekannt. Das möchte ich ändern. Pornografie ist noch immer sehr negativ konnotiert. Vor allem Frauen denken schlecht darüber. Ich persönlich finde es schade und rate Paaren immer wieder dazu, sich gemeinsam Pornos anzuschauen. Ich bin mir ganz sicher, dass Porna jedem helfen kann, neue Impulse für das eigene Sexleben zu bekommen oder die eigene Fantasie anzuregen. Aus meiner Erfahrung als Sexologin weiß ich, dass Porna eine tolle Inspirationsquelle für die Realität sein kann. Deshalb finde ich es schade, dass Pornografie gerade unter Frauen so einen schlechten Ruf hat. Ich will zeigen, dass Erotik auch anders als nur mit „rein und raus“ inszeniert werden kann. Es gibt wirklich gute Filme auf dem Markt. Ich möchte mit meinem Film informieren, inspirieren und Menschen den Kontakt und den Zugang zu Pornografie erleichtern.

Waren Ihre Erfahrung als Sexologin ein Vorteil für die Arbeit als Regisseurin?
Als Sexologin bekomme ich in Therapien viel Vertrauen geschenkt und bemerke, viele Frauen erzählen mir von ihrer Skepsis gegenüber der Pornografie. Wenn ich ihnen die Angst nehme und ihnen vermitteln kann, dass Pornos völlig in Ordnung sind, brechen sie auch mit ihren Tabus. Ich glaube schon, dass diese Erfahrungen bei der Arbeit am Set ein Vorteil für mich waren.

Woher haben Sie Inspiration für das Drehbuch genommen?
Für den Film habe ich mich teilweise durch mein Privatleben inspirieren lassen. Allerdings habe ich auch eine sehr ausgeprägte Fantasie, was sehr praktisch ist, wenn man einen Film macht. Welche Szenen aus meinem eigenen leben sind, werde ich allerdings nicht verraten (lacht).

Gibt es schon Pläne für einen zweiten Film?
Ich bin auf jeden Fall auf den Geschmack gekommen. Aber warten wir lieber erstmal ab, was die Zuschauer zu “A Girls’ Getaway” so sagen. Viele meiner Leser kontaktieren mich auch mit eigenen Ideen. Auf Instagram schreiben mir vor allem Männer ganz konkrete Vorstellungen.

Was würden Sie bei einem neuen Film ändern?
Für einen zweiten Teil würde ich mir mehr Zeit mit den Castings lassen. Mit Kleidergröße 42/44 ist Lucia Love in der Erotik-Industrie als eher üppig anzusehen. Ich hätte aber gerne eine noch größere Darstellerin gehabt. Leider habe ich keine gefunden. Außerdem würde ich gerne mit einer älteren Frau drehen. Auch die sind leider nicht so leicht zu bekommen. Das hat auch mit der hohen Nachfrage nach jungen, schlanken Frauen zu tun. Für die Porno-Industrie sind vollschlanke Frauen ein Risiko. Deshalb muss ich bei der nächsten Suche mehr Zeit einplanen. Mir ist es wichtig zu zeigen, dass jede Frau sexy sein kann und Schönheit ganz viele verschiedene Facetten kennt.

Die Porno-Industrie ist auf die traditionellen Pornos ausgerichtet. Gab es noch andere Schwierigkeiten bei der Produktion Ihres Porna-Films?
Ja. Die männlichen Darsteller hatten Probleme mit der Erektion und es fiel ihnen schwer zum Höhepunkt zu kommen. Die Porna-Produktion war neu für sie, sonst waren sie nur knallharten Sex gewohnt. Zärtlicher Sex erfordert auch psychische Erregung. Es ist schwer so etwas zu genießen, wenn Kameras dabei sind und man es nicht mit dem Partner teilt.

Wie haben Sie das Problem in den Griff bekommen?
Die Paare haben sich auch zwischen den Szenen getroffen, sich unterhalten, einander Komplimente gemacht und sich gegenseitig scharf gemacht. Für die Cumshots hatten die Männer hinter der Kamera härteren Sex – sonst hätte es nicht geklappt.

Welche ist Ihre Lieblings-Szene und warum?
Die Szene, in der sich zwei Frauen im Badezimmer verwöhnen. Das war auch am Set die aufregendste Szene für mich. Da hatten wir natürlich auch keine Schwierigkeiten mit Erektionen oder Cumshots. So konnte ich die Szene intensiv miterleben und musste nicht mit dem Kopf anwesend sein.

Zum Schluss interessiert mich noch eine Frage ganz besonders. Können Sie den Lesern irgendwelche Tipps geben, wie sie ihre eigenen Porna-Filme drehen können?
Bedenken Sie immer, dass ein solches Sextape auch im Internet landen kann. Natürlich vertrauen Sie Ihrem Partner – aber man weiß nie, was kommt! Ich empfehle Ihnen, in einem Video möglichst immer anonym zu bleiben. Außerdem sollten Sie für gute Belichtung sorgen. Sie sollte angenehm und ruhig etwas schmeichelhaft sein. Und trauen Sie sich laut zu sein. Es ist bewiesen, dass das die Lust noch steigert. Schließlich gibt man sich bedenkenlos dem Moment hin und traut sich, ihn voll und ganz zu genießen.

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