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“Kunstpenisse gibt es schon seit dreitausend Jahren. Doch dass das Ding sich bewegt, das gibt’s erst heutzutage.” – Beate Uhse

Sex Toys kennt jeder und hat auch fast jeder bei sich zu Hause. Mittlerweile sind sie so selbstverständlich geworden und gehören zum Liebesleben dazu. Sei es für den Solo-Sex und zur gegenseitigen Luststeigerung. Doch seit wann gibt es die kleinen Hilfsmittel eigentlich und was hat man früher benutzt? Gab es da eigentlich schon Sex Toys oder hatten die damaligen Sexspielzeuge eigentlich noch eine ganz andere Funktion? Wir sind der Sache mal auf den Grund gegangen und haben ein bisschen in den Geschichtsbüchern geforscht…

 

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Erfinderisch: Kleopatra nutzte zur Selbstbefriedigung mit Bienen gefüllte Behältnisse © bschelig.com

Vom Höhlenmenschen bis hin zu Kleopatra, dem schlimmen Finger!

Was? Es gab schon in der Steinzeit Sexspielzeug? Kaum zu glauben, aber wahr. Bei archäologischen Ausgraubungen wurde der Fund eines anthrazitfarbenen männlichen Gliedes aus Siltsein dokumentiert, der weit in die Zeit vor Christus zu datieren ist. Das gute Ding ist ein wahrer Steinzeit-Dildo: 19 cm lang, vier cm breit, drei cm dick, rund 290 Gramm schwer und beachtliche 28.000 Jahre alt. In Griechenland fand man dagegen sogenannte Olisbos aus dem Jahr 800 v.Chr.. Das sind Tondildos, die mit lauwarmem Wasser gefüllt wurden.

Doch als wahre Erfinderin unserer heutigen Vibratoren können wir Kleopatra betiteln. Um ihre Lust zu befriedigen und dafür nicht immer auf Männer zurückgreifen zu müssen, wurde sie sehr erfinderisch.  So verschaffte sie sich entweder mit edlen Marmordildos Lust oder füllte ihren Unterleib mit Hilfe eines Lederbeutels mit Eselsmilch. Ihr erster Vibrator wurde eine Papyrustüte mit Bienen gefüllt. Durch das Kribbeln und Krabbeln der Bienen oder anderer Krabbeltiere ließ sie sich stimulieren. In Afrika kamen Früchte und Pflanzen zur Lustbefriedigung ins Spiel, in Polynesien waren es die unreifen Bananen und  im Vorderen Orient und Japan benutze man elastische Früchte, wie Pilze und Pflanzen, die beim Einführen anschwollen.

Der Ideenreichtum der Frauen war sehr bewundernswert, aber eigentlich nicht verwunderlich. Schon berühmte Philosophen und Mediziner wie Aristoteles stellen fest, dass Frauen beim Sex selten zum Orgasmus kamen. Aus diesem Grund wurde in den Folgejahren Sexspielzeuge nicht zur Lustbefriedigung genutzt, sondern als Heilgeräte unter medizinischem Aspekt. Mit der Herbeiführung von Hysterie (also einem Orgasmus) behandelte man weibliche „Beschwerden“ wie Bauchweh, Blässe, Schlaflosigkeit oder eine rege Fantasie. Dazu war man aber längst nicht so einfallsreich wie Kleopatra. Hier kamen Holzdildos, Gemüse oder einfach die Finger zum Einsatz. Vor allem Nonnen oder Witwen wurden mit diesen Methoden behandelt, verheirateten Frauen verordnete man mehr Geschlechtsverkehr mit dem Ehegatten. Nicht zu erwähnen ist dabei, dass sich der Erfolg hier eher in Grenzen hielt. ;-)

 

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Zügellosigkeit im Mittelalter © Ordo – Equester-1288 e.V

Von der Lust & Zügellosigkeit im Mittelalter bis zum ersten Vibrator

Während die Kirche Zucht und Ordnung predigten, kam es an den Höfen zu regelrechten Sex-Orgien. Wir kennen es aus Historien-Romanen oder Mittelalter-Serien. Man benutze dabei sogar schon kleine Hilfsmittel, „Godemichè“ (künstlicher Penis) in Frankreich genannt und „Dilettos“ (Freude, Vergnügen) in Italien. Auch die Behandlungsmethoden für Frauen wurden immer weiterentwickelt. Denn im 18. Jahrhundert kam es zu einem Meinungsumschwung, dass das Einführen jeglicher Gegenstände, Apparate oder Naturheilmittel (außer dem Penis natürlich ;-) ) als schädlich für den weiblichen Körper und seine sexuelle Potenz und Gesundheit befunden wurde. Wissenschaftler vertieften daraufhin ihre Hypothesen und Theorien zur weiblichen Anorgasmie und deren Ursachen, da auch alternative Behandlungsmethoden nicht anschlugen. Damit man dem „Leiden“ der Frauen trotzdem eine Lösung bat, eröffnete man Praxen, Therapiezentren und ganze Kurorte. Hier standen den Frauen gynäkologische Masseure zur Verfügung. Am beliebtesten war die Hydrotherapie, wobei ein Wasserstrahl zur Befriedigung bzw. Beruhigung der Frau auf den Genitalbereich gerichtet wurde. Der Erfolg der Kurorte sprach sich schnell rum. Bald schon waren 75% der Frauen in Großbritannien „erkrankt“. Die Kosten für die Behandlung der Frauen mussten übrigens die Männer übernehmen. Da die Behandlungen jedoch sehr zeitaufwendig waren, musste was Effizienteres her.  Und so erfand der britische Physiker Weiss 1880 den ersten elektromechanischen Vibrator. Er war in der Form eines geraden Stabes zum Einführen in die Scheide und sollte Frauen binnen von zehn Minuten beruhigen bzw. befriedigen. Dieses einfache Modell erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es sofort international vermarktet wurde. Noch im selben Jahr versah Mortimer Granville den Vibrator mit Batterien. Damit hatte man es geschafft. Dies war der Durchbruch für die Erfüllung aller weiblichen Bedürfnisse zur damaligen Zeit.

 

Vom Kombinationsgerät zum modernen Sextoy

Bei der Pariser Weltausstellung 1900 zeigte sich der Fortschritt: Es wurde eine breite Palette von stimulierenden Geräten vorgestellt, die von Batterie, Strom, Muskelkraft, Wasser oder Gas betrieben wurden. Dabei gab es Folterinstrumenten ähnliche Geräte und vibrierende Gabeln, Tücher und gar tragbare oder standfeste Vibratoren, aber auch Kombinationsgeräte, die sich ganz leicht in den Alltag integrieren ließen. Ein Modell aus Amerika konnte beispielsweise auch mit einem Küchenstab oder einem Fön kombiniert werden. Somit musste man vor den Kindern oder der Schwiegermutter nichts verstecken.

Mit der Zeit verlor der Vibrator immer mehr an medizinischer Bedeutung. Anfang der 1920er Jahre verschwand er gänzlich als Heilmittel, denn in den ersten Pornofilmen wurde er zu offensichtlich als sexueller Genussmittel präsentiert. Mit der Entwicklung des erotischen Kinos und der Darstellung von Vibratoren in Pornos bekamen diese allerdings einen Art „Schmuddel-Beigeschmack“.  Erst in den revolutionären 1960er Jahren erlebte das Sexspielzeug sein Revival., unterstrichen durch die Eröffnung des ersten Sexshop der Welt, 1962 von Beate Uhse. Ab den 1970er Jahren wurden Vibratoren, Dildos und andere Spielzeuge offen als sexuelle Stimulierhilfe bezeichnet und in den verschiedensten Formen und Farben hergestellt. Durch die Erfindung des Silikons bekam die Sextoy-Branche eine ungeahnte Möglichkeit bessere und neue Produkte herzustellen.

Inzwischen gibt es Sexspielzeug in den verschiedensten Variationen und Ausführungen. Von den einfachen Dildos und Vibratoren über Liebeskugeln bis hin zum G-Punkt-Vibrator, Butt Plug oder App-gesteuerten Paartoy. Das heutige Wissen über unseren Körper und erogene Zonen ermöglicht eine Anpassung an die individuellen Bedürfnisse, so dass jeder das richtige Toy für sich findet.

So wandelten sich Dildo und Vibrator vom Genussmittel, zum Heilmittel zu einem tabuisierten Gegenstand, um am Ende wieder offiziell zu einem Mittel höchsten Vergnügens zu werden.

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Kommentare

  1. Schöne Darstellung der Geschichte des Sextoys! Gerne mehr so etwas! :-)

    | Michael | Reply
  2. Da ich selbst Hersteller von Holzdildos bin, finde ich gerade Holz von der Optik sehr schön. Nur ausgesuchte Hölzer, vor allem Obstgehölze werden bei mir in Form gebracht.
    http://www.schnitzstube-huste.de

    | Hans-Peter Huste | Reply